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 ...mich

Als ich 1968 geboren wurde war ich noch sehr jung, und das Pech verfolgte mich schon von klein auf.

Wir waren so arm, daß bei uns sogar die Mäuse mit verweinten Augen herumliefen. Meine Eltern waren gerade ausgegangen, - der Ofen auch. Auf dem Tisch lag ein Zettel: Die Milch steht im Ofen. Meine Eltern waren auf dem Feld, um Kartoffeln zu holen. Es war zwar nicht unser Feld, aber Kartoffeln holten sie uns trotzdem immer dort.

Mein Vater hatte viele Schulden. Er sagte immer: "Wer mich mahnt, dem bezahle ich nichts und wer mich nicht mahnt, bei dem warte ich so lange, bis er mich mahnt!". Wenn einer kam und wollte Geld haben, so lachten wir nur - wir kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus! Mein Vater ist zur Zeit im Gefängnis wegen seines Glaubens. Er glaubte, er brauchte keine Miete zu bezahlen.

Wir waren auch eine sehr musikalische Familie. Meine Mutter nähte auf einer Singer-Nähmaschine. Mein Vater war auch ein grosser Sänger - er sank immer tiefer, jetzt brummt er schon 3 Jahre. Am musikalischsten war aber meine kleine Schwester, die ging bei einer Klassenfahrt flöten.

Wir waren zu Hause 20 Geschwister: zehn Jungen, neun Mädchen und ein Blindgänger. Wir hießen alle Walter, bis auf Emil, der hieß Otto. Meine Mutter war eine geborene Bundesbahn, das stand jedenfalls auf unseren Handtüchern. Eine Uhr hatten wir nicht. Wenn der große Eimer, wo früher einmal Marmelade drin war, voll war, dann war es 6 Uhr. Hatte Vater aber eine Bierreise gemacht, so ging der Eimer zwei Stunden vor.

Wir schliefen alle in einem Zimmer mit Gasmaske. Das Handtuch stand gleich hinter der Tür. Da wir nur ein Bett hatten, war es mit dem Schlafen sehr schwierig. Das erste Kind wurde ins Bett gelegt und wenn es eingeschlafen war, wurde es wieder herausgenommen und an die Wand gestellt. Dann kam das nächste Kind an die Reihe. Nur mit dem Wecken war das so eine Sache. Ich bin einmal 15 Tage stehengeblieben, weil mich niemand geweckt hat. Es ist gar nicht aufgefallen.


Bei uns gab es immer Suppe. Morgens und Mittags Suppe.

Abends hängten wir dann unsere Bäuche über den Ofen und wärmten die Suppe von Mittags wieder auf. Unsere kleineren Geschwister wurden mit Trockenmilch ernährt. Man brauchte sie daher nur abzustauben.
Dabei waren wir aber eine vornehme Familie. Meine Mutter war eine "von und zu", mein Vater dagegen ein "auf und davon".

Mein einer Bruder ist ein echter Verwandlungskünstler. Er geht ins Cafe mit einem alten Mantel und kommt mit einem neuen zurück. Meine Schwestern waren alle furchtbar dünn. Die eine mußte immer zweimal ins Zimmer kommen, bis man sie einmal sah. Die andere hat jetzt Zwillinge bekommen, die sehen sich sehr ähnlich, besonders der eine.

Ich selbst war eine schwere Geburt. Mein Vater sagte damals: "Mutter, wenn es nicht geht, so laß es sein." Später ging ich zur Hilfsschule. Was ich da helfen solle, weiß ich bis heut noch nicht. Ich bin auch zur Schule gegangen und war immer der Liebling der Lehrer. Ich durfte verschiedene Klassen zweimal besuchen, während die anderen in eine andere Klasse mussten. Einmal wurde in der Geschichtsstunde gefragt, was Goethe von Beruf gewesen ist. Ich antwortete: "Damenschneider". "Warum?" Ich sagte: "als er in Gretchens Zimmer kam, sagte er, hier will ich säumen." In der Rechenstunde fragte mich der Lehrer: "Wenn du beim Bäcker 10,- DM, beim Fleischer 20,- DM und beim Kaufmann 40,- DM Schulden hast; wieviel Schulden hast du dann insgesamt?" Ich antwortete: "Das weiß ich nicht, wenn es soweit ist, ziehen wir meistens um." Einmal mussten wir einen Aufsatz schreiben. Der hieß: >>Der Hund<<. Ich schrieb: >>Dem Hund habe ich den Schwanz abgeschnitten, jetzt weiß meine Mutter nie, wenn er sich freut.<< Brachten wir schlechte Noten nach Hause bekamen wir mit dem Ausklopfer Prügel. Brachten wir gute Noten nach Hause, wurde ein neuer Ausklopfer gekauft. Also mit dem Geld geht es mir heute noch so. Unlängst mußte ich meinen Ofen versetzen, damit ich mir Brennmaterial kaufen konnte! Ich hatte gestern noch € 20,-. Dafür habe ich mir eine Geldbörse gekauft, und das Geld war wieder weg.

Durch die schlechte Finanzlage meiner Familie War ich gezwungen, gleich nach der Schule einen Beruf zu ergreifen. Zuerst schickten mich meine Eltern in die Lehre in ein Konsumgeschäft. Die hatten hinter dem Ladentisch immer so glatt gebohnert. Ich rutschte immer aus und fiel mit der Hand in die Ladenkasse - dabei bekam ich immer einen Krampf in die Finger.


Danach ging ich zu einem Fotograf.

Bei dem konnte ich mich nicht entwickeln, weil mein Chef mich immer zu sehr fixierte. Einmal kam eine Frau zu mir und sagte, ich solle ihr die Familie vergrößern. Ich sagte zu ihr: "Gehen sie gefälligst zu dem, der damit angefangen hat." Das war das Ende meiner Entwicklungsperiode. Dann kam ich zu einem Schmied in die Lehre. Das war ein sehr wortkarger Mann. Als ich am ersten Tag mit einem schüchternen "Guten Morgen" in die Werkstätte kam, sagte er nur: "Das ist der Amboß, und das ist der Vorschlaghammer. Wenn ich mit dem Kopf nicke, schlägst du zu!" Er hat nur einmal genickt, und vier Tage später war das Begräbnis.

Dann versuchte ich mein Glück beim Theater. Im Schauspielhaus hatte ich bei einem Stück auf die Bühne zu kommen und zu sagen: "Sie kommen nicht." Ich bin auf die Bühne gegangen und da sagte eine Frau aus einem Kasten: "Sie kommen noch nicht". Da bin ich eben wieder gegangen. Der Direktor sagte, ich sei unbezahlbar - er hat mir dann auch nix gegeben.
Wenn man nichts kann und nichts weiß, bleibt einem nur ein Ausweg: man wird Polizist. So bin ich Polizist geworden. Mein Vorgesetzter zeigte mir mein Revier. Er sagte, bis zu dem Punkt müsse ich als Streife gehen. Ich zog los. Nach 15 Tagen war ich wieder zurück. Der rote Punkt war das Schlußlicht eines Transporters auf dem Weg nach Hamburg.

Nach langem Nachdenken, welchen Beruf ich nun gerne ergreifen möchte, fiel mir ein altes Gedicht aus der Schulzeit ein, in welchem erzählt wird, wie Mutter und Kinder dem Vater die Haare schneiden, uzw. "Was schert mich Weib, was schert mich Kind" usw. heißt es dort. So beschloß ich, mich dem Friseurberuf zu verschreiben. Am dritten Tag hatte ich einen Herrn zu rasieren. Ich fragte freundlich: "Habe ich Sie nicht schon einmal bedient?" "Nein", sagte er, "die Narben habe ich von einem Autounfall!" - Als ich den Hals rasiert hatte, verlangte er ein Glas Wasser. Auf meine Frage, wozu er es brauche, antwortete er: "Ich will nur prüfen, ob meine Gurgel noch dicht ist!" Im weiteren Verlauf der Rasur fiel noch ein Ohr des Herrn dem Messer zum Opfer. Ich bat ihn, es zu verstecken, damit es der Chef nicht sähe.


Anschließend ging ich mit meinem Bruder auf die Wanderschaft.

Der war nämlich Pfadfinder. Was der schon alles gefunden hat, das haben andere noch gar nicht verloren. Einmal fanden wir einen Strick, da war sogar noch eine Kuh dran. Der Richter wollte uns nachher gar nicht glauben, daß wir dieses noch gar nicht bemerkt hatten. Deswegen gab er uns 2 Jahre freie Kost und Logie.

Da entdeckte ich meine poetische Ader. Ich verfaßte eine Anzahl schöner Gedichte, von denen ich nun eins vortragen möchte:


Ein Stinktier saß auf einer Bank und stank.
Es hatte keine Eile,
es stank aus Langeweile.
Und als die Sonne war gesunken,
da hat es immer noch gestunken.

Quelle: Internet, ohne Autorangabe.

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